Einhornaltar

Der Einhornaltar der Klosterkirche in Dambeck wurde 1474 von Propst Verdemann in Auftrag gegeben. Er ist ein wertvolles Stück mittelalterlicher Kunst, der auch auf die Bedeutung von Kloster Dambeck und den Wohlstand dieser Zeit hinweist.

Der Altar wurde eine Zeit lang (nach der barocken Umgestaltung der Klosterkirche) in der Christlich-archäologischen Kunstsammlung der Berliner Universität ausgestellt und kam 1953 auf Betreiben der Dambecker Pastorin Rieseberg zurück an seinen Ursprungsort. Um das Jahr 1980 musste die Klosterkirche als Gottesdienstgebäude der Dambecker Gemeinde aufgegeben werden. Die wertvolle Ausstattung wurde zwecks Sicherung gegen Vandalismus in umliegende Kirchen verteilt.

So kam der Einhornaltar in die Katharinenkirche nach Salzwedel, die selbst ihren wertvollen Hochaltar an eine Frankfurter Kirche verloren hatte. Heute können Sie den Einhornaltar in St. Katharinen besichtigen. Sie finden ihn zentral im hohen Chor.

Auf dem Altar ist neben den 16 Apostel und Heiligen auf den Flügeln in der Mitte fünf Ereignisse des Lebens Marias dargestellt. Außen finden wir die Geburt Marias, die Geburt Jesu, die Weisen aus dem Morgenland und der Kindermord des Herodes.

In der Mitte steht prominent die Darstellung der Verkündigung Mariens. Der Erzengel Gabriel verkündet (dargestellt durch das Spruchband aus dem Horn) der Maria, dass sie Mutter Gottes werden wird. Maria sitzt dabei in einem Park, dem „verschlossenen Garten“, der für Ihre Jungfräulichkeit steht. „Meine Schwester, liebe Braut, du bist ein verschlossener Garten, eine verschlossene Quelle, ein versiegelter Born“ (Hld 4,12 ). Sie wird umringt von den vier Tugenden Wahrhaftigkeit (Veritas), der Gerechtigkeit (Justita), der Barmherzigkeit (Misericordia) und der Friedfertigkeit (Pax), dargestellt als Hunde.

Auf Mariens Schoß sitzt das namengebende Einhorn. Gemeinsam mit dem Jagdhorn des Erzengels sowie den vier Tugend-Jagdhunden spielt es auf eine antike Vorstellung an, nach dem das Einhorn von niemandem gefangen werden kann, als einer reinen Jungfrau.

Das Einhorn steht hier also symbolisch für die Kraft des Heiligen Geistes, der Christus in die Welt bringt. Dieser Christus kann nicht durch Macht oder Geschick empfangen werden, sondern nur durch die tugendhafte Reinheit der Jungfrau.

Der Physiologus – Vom Einhorn  (2.-4. Jahrhundert nach Christus)

Der Psalmist sagt:  „Und es wird erhöht werden mein Horn wie das des Einhorns.“ (Ps 92,11) Der Physiologus sagte vom Einhorn, dass es folgende Eigenheit habe:  Ein kleines Lebewesen ist es, wie ein Böckchen, aber ganz außerordentlich leidenschaftlich.

Kein Jäger kann ihm nahekommen, weil es sehr stark ist. Ein einziges Horn hat es mitten auf seinem Kopf. Wie nun wird es gefangen? Wenn eine reine Jungfrau, fein herausgeputzt, ihm begegnet, springt es in ihren Schoß; und die Jungfrau säugt das Lebewesen und bringt es in den Palast zum König.

Gedeutet nun wird das Lebewesen auf das Antlitz des Erlösers: „Er erweckte nämlich ein Horn im Hause Davids, unseres Vaters.“ (Lk 1,69) und zum Horn der Erlösung ist es uns geworden. Weder die Engel noch die (Geist-)Kräfte konnten ihn überwältigen (1Petr 3,22), sondern er hat im Bauch der wahren, reinen Jungfrau Maria der Gottesgebärerin gewohnt: „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.“ (Joh 1,14)